Nur ein halbes Großhirn – aber kaum Probleme

Quelle: Aerzte Zeitung vom 10.04.2002

Eine ungewoehnliche Krankengeschichte haben niederlaendische Aerzte bei einem siebenjaehrigen Maedchen aufgedeckt, das wegen einer Tonsillitis zur Behandlung kam. Die Magnetresonanztomographie brachte es an den Tag: Das Maedchen hat nur eine Groaehirn-Hemisphaere.

Trotzdem lebt es offenbar fast ohne Einschraenkung und spricht perfekt Tuerkisch und Niederlaendisch, berichtet Dr. Johannes Borgstein von der Universitaet in Rotterdam (Lancet 359, 2002, 473).

Wie sich herausstellte, wurde die linke Hemisphaere des Kindes im Alter von drei Jahren wegen eines Rasmussen-Syndroms, einer fortschreitenden Epilepsie, entfernt. Doch die Folgen, so Borgstein, seien nur gering: eine leichte Koordinationsschwaeche der rechten Koerperhaelfte und eine Hemianopsie.

Fuer Borgstein ist dies ein Beleg fuer die grosse Plastizitaet des Gehirns.